Was heißt, deutsch zu sein?

Frau Eva Quistorp hat in Starke Meinungen die Frage gestellt, was es heißt, deutsch zu sein. Den Link findet Ihr unten und wie immer: lesen, dort kommentieren und dabei viel Glück.

Was heißt, deutsch zu sein? – starke-meinungen.de

41 Antworten zu „Was heißt, deutsch zu sein?“

  1. Avatar von kryptonitetoo0a8519ce23
    kryptonitetoo0a8519ce23

    31,1 % aller Einwohner Deutschlands haben einen Migrationshintergrund. Tendenz steigend. Weil 43 % aller unter 5-jährigen einen Migrationshintergrund haben. Weit mehr als die Hälfte der Einwohner mit Migrationshintergrund haben einen deutschen Pass. Sind also Deutsche. Und haben „aus den Verbrechen der eigenen und der der eingewanderten Geschichte zu lernen“.

    Gibt es eigentlich schon Lehrbücher von Eva Quistorp dazu?

    Werden diese Lehrbücher dann den 18-Jährigen hier geborenen zusammen mit dem deutschen Pass überreicht?

    Hast Du schon ein Exemplar davon bekommen, Stevan Stevanovich?

    P.S.:

    Im Lernen war ich immer schwach. Als ich in der DDR das zweite mal zu Haftstrafen verurteilt wurde, schrieb mir das Oberste Gericht der DDR ins Urteil:

    „Der Angeklagte hat aus seiner ersten Bestrafung keine Lehren gezogen.“

    So, lese jetzt weiter in meinem Buch über die Sakralität des Königs im Mittelalter.

    Bodo

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    1. Avatar von Test Bild

      Nein, lieber Bodo, das Exemplar habe ich nicht bekommen. Meine Urkunde lag in der Schublade eines Beamten, der im Urlaub war. Die haben meinen Termin vergessen. Wir haben dann den Hausmeister gefunden, der die Schublade öffnete. Der anwesende Beamte meinte dann: „Watt sacht ma da? Allet jutte.“ Es war ein Koblenzer. Feuer im Blut ist nicht ihre Sportart.

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  2. Avatar von Test Bild

    Naja, die Frage von Frau Quistorp verstehe ich, ehrlich gesagt, als doppelten Rittberger.

    Wie schaffe ich eine Definition von Deutsch, mit der ich bestimmte Migranten ausschließe, aber immer noch so tue, als ob die Frage des Deutschsein ja eigentlich im Grunde albern ist. Deswegen nähern wir uns ihr etwas spielerisch mit „was wärst du gerne?“ an. Man soll ja die Leute abholen, wo sie stehen, auch Linksliberale. Finde ich in Ordnung. Irgendwie muss man ja anfangen.

    Ich hatte vor einem Jahr ein Hauptseminar mit gleich zwei Professoren, das der Frage nachging, wie Nationen entstehen, oder besser, was Nationen und Völker überhaupt sind. Wir konnten keine abschließende Antwort finden. Werden wir hier auch nicht, aber versuchen wir es doch.

    Wenn meine Mädels und ich die Familie in Serbien besuchen, bleiben wir grundsätzlich an jeder roten Ampel stehen. Am liebsten, wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist. Dann ruft Herr Papa (ich) laut: „Warum stehen wir an dieser roten Ampel?“. Und die Mädels rufen laut im Chor: „Weil wir deutsche Touristen sind.“ Ja, ist witzisch, aber ist durchaus ernst gemeint. Suchen sie Identität, werden sie sie dort nicht finden. Wir sind der deutsche Teil der Familie.

    Stevan

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    1. Avatar von Test Bild

      Den letzten Punkt von Frau Quistorp finde ich problematisch. Es gibt ganz viele Juden, die keine Zionisten sind. Manche sind sogar Antizionisten. Ich fühle mich als Deutscher (for the sake of argument) nicht wohl dabei, die Welt in gute, weil zionistische Juden, und falsche, sich selbst hassende Juden, gar Verräter, einzuteilen. Als Norman Finkelstein in Deutschland auftreten wollte, war ich etwas aktiv in Pro-Israel Gruppen. Und was ich da gesehen habe…oh boy! Richtige „euer ernst?“ Momente. Philosemiten (aka glühende deutsche Zionisten) sind die andere Seite der gleichen Münze. Ist der Jude nicht so, wie ein aufrichtiger deutscher Zionist einen Juden definiert, ist schnell Schluss mit Aufarbeitung. Deutsch sein bedeutet für mich, es zumindest zu versuchen, Juden nicht auf den Sack zu gehen, weil sie Juden sind. Ich glaube, das wäre nach Frau Quistrop nicht genug.

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      1. Avatar von KJN
        KJN

        Ok., Stevan, ja. Es gibt eine tatsächlich etwas unaufrichtige Art der Pro-Israel-Eiferer, die man getrost als ‚kulturelle Aneignung‘ interpretieren könnte und die vor allem der eigenen narzisstischen moralischen Erhöhung dienen mag. Und die IST das Spiegelbild der deutschen Palästnenserfreunde. Man sollte im Ernstfall nicht allzuviel von diesen Leuten erwarten, aber es ist eben auch ein Bestandteil von ‚Politik machen‘ und der eigenen Selbstvergewisserung. Und Frau Quisdorp ist Politikerin.

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      2. Avatar von Test Bild

        Mein ich wirklich: Ist okay, von Frau Quistorp. Sie wirft bei der Farge den Hut in den Ring, von der Ecke aus, in der sie steht. Wir stehen hier nicht unter Aufsicht irgendeiner Ecke. Nutze es! Aber bedenke immer, dass wir hier lesbar bis nach Nord Korea sind und alle noch ein Leben haben. Das lernt man mit der Kondensmilch, oder wenn man Erfahrung damit hat, gerade in der falschen Ecke zu stehen. Klingt doof, ist aber so.

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  3. Avatar von KJN
    KJN

    ..ich denke, die Autorin hat alles das in den Text eingepackt, was auf ihrer politischen Agenda steht. Sie hat das Thema (absichtlich? manipulativ?) verfehlt, weil es sich bei ‚Deutsch‘ um eine Nationalität handelt. Letztlich um eine Gesellschaftsordnung und Verfassung, die den Feudalismus ersetzte. Und sich damit auch an einer ‚Verfasstheit‘ der Bevölkerung in dem betreffenden Gebiet orientieren sollte (klimatische und geographische Bedingungen, Wirtschaftsform, Abstammung war hier nie ein Thema, im Gegensatz zu Griechenland und Israel z.B.). Man kommt bei der Frage ‚was ist deutsch‘ daher weiter, wenn man sich mehr mehr mit den Ideen und Philosophen des Landes beschäftigt, als mit eigenen Befindlichkeiten. (Zu diesem Hang des derzeitigen linken Biedermeiers zur Innerlichkeit werde ich heute im Laufe des Tages aus gegebenem Anlass noch einen Text einstellen. Passt zufällig.)

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    1. Avatar von Test Bild

      Ja, ne? …. irgendwie leuchtet da durch, dass es da gar nicht um mich geht, sondern wieder mal um Muslime. Wie halte ich Muslime raus, ohne zu sagen, dass ich Muslime raus halten will. Wie rede ich von Schicksals- und Abstammungsgemeinschaft über Generationen hinweg, ohne von Schicksal und Abstammung zu reden? Wie sehe ich das ganze Bild, ohne in den Fliegenschiss zu treten?

      Ja, KJN, ich finde auch, mein Deutschsein, das ist mehr ein Gefühl, als eine Gebrauchsanweisung. Wer türkische Fahnen am Auto hat, einen jaulenden grauen Wolf auf der Rückscheibe…mit dem Teile ich vielleicht die Staatsbürgerschaft, aber der ist bestimmt nicht „meiner“, vor allem, weil er nicht „meiner“ sein will. Fragt ihn doch einfach.

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  4. Avatar von Test Bild

    Aber zurück zur Frage, auf die wir, ich bin mir sicher bin, hier keine Antwort finden, sie aber trotzdem wegen Deutsch, irgendwann beantworten müssen: Was und wann ist Deutsch.

    Ihr beide, KJN und Bodo, seid Deutsche. No doubt. Aber wann bin ich es?

    Ich hatte so einen Moment, als fühlte ich etwas. Es war in den tiefen 90ern, im Hof meiner Großeltern wurde über Srbija und ihr Platz in der Welt schwadroniert. Aber das war es nicht. Sie redeten über Deutsche und wie der Deutsche an und für sich ist…und ich dachte mir, dass wir so nicht sind. Ich sagte, dass sie echt Scheiße reden. Die Nachbarn waren irritiert. Mein Opa meinte milde, dass ich schon zu germanisiert sei, um es zu verstehen. Und ich war nicht sauer, ich war stolz.

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    1. Avatar von KJN
      KJN

      Also wenn ich an der roten Ampel stehen bleibe, ist das meistens in der Stadt, weil es bequemer ist, als die Verkehrssituation abzuschätzen. Das sieht die Polizei, der lange Arm des Kollektivismus anders, sie sagt: Weil du sonst ein Knöllchen wg. Ordnungswidrigkeit bekommst. Will sagen Stevan: Wenn du in dir drin nach dem Deutschsein suchst, wirst du auf ziemlich banale Abwägungen stoßen, die in ihrer Gesamtheit erst das Bild ergeben. Z.B. ist dein Deutschseinwollen nicht so deutsch, weil die meisten Deutschen was anderes sein wollen, früher Italiener und derzeit Israeli oder Palästinenser. Da kommst du also nicht weiter. Eher hier: Kennst du den Film ‚Casablanca‘ mit Humphrey Bogart? Klar. Da gibt es ein älteres Emigranten Ehepaar, die sich gegenseitig Englisch beibringen (müssen): Er fragt:“What watch is it?“, sie:“Ten watch!“. Sie wurden von aller Welt im Kino als Deutsche erkannt. (Es waren deutsche Juden.)

      Ich glaube Nationalgefühl ist so eine Art ‚inneres Kind‘, wie die Psychologen sagen. Und es sollte nicht alles bestimmen, aber man sollte es auch nicht umbringen.

      Was die Muslime angeht: Sie haben eine andere Religion und sie wehren gegen ihre Vereinnahmung durch den deutschen Staat durch die Finanzierung über den Staat (Kichensteuer oder Kultussteuer). Inwieweit das mit dem Thema zu tun haben könnte, ist ein weites Feld..

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      1. Avatar von Test Bild

        Ja. Weil ich mich an meiner deutschen Peer Group orientiert habe (ich zeige mit dem Finger gerade auf Rolands Avatar), stand ich irgendwann ohne Antwort da, als ich eine brauchte. Als das mit meiner Tochter passierte, wurde mir klar, dass ich mehr darüber nachdenken muss, als es einfach in einem undefinierten Humanismus zu ertränken. Die Frage der Identität geht an whom it may concern … und es concernt mich. Aber es ist okay, wenn sie wem Wurst ist.

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      2. Avatar von C. K.
        C. K.

        Such much?

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      3. Avatar von Test Bild

        Ja, C.K. … such much.

        Ich bin nicht woke, aber ich habe dazugelernt, wie die hippen Kids die Welt sehen…und ganz doof ist es nicht. Es ist ein Privileg, dass man so gestellt ist, dass einem „deutsch“, egal sein kann. Wir sind umgeben von Identitätskämpfen. Von dem Regenbogen, über dem Schicksal der Ukraine, pro oder contra Israel vs arabisches Palästina, kurdische Vereine etc. Die Aussage „ich bin queer“ meiner Freundin mutet mir seltsam an, weil es mir egal ist, an welchem Körperteil von wem wer gerne nuckelt. Ihr ist es nicht egal, weil sie genau deswegen diskriminiert wurde. Sie verstand nicht, warum Deutsch für mich wichtig ist. Wir lernen voneinander.  

        Ja, die Frage treibt mich um. Identität wird die Frage des nächsten Jahrzehnts, vor allem nach der „Verantwortung für die Ukraine“, die es nicht geschafft hat, eine europäische Identität zu bilden. Seitdem ich sie für mich beantwortet habe, geht es mir viel besser, als es in solchen Debatten rüberkommt.

        Ich glaube, das ist das erste Mal, dass ich bewusst die woke Karte ziehe. Nicht im Sinne derjenigen, die es mir erklärt hat, aber fuck, ja … es fühlt sich gut an. Mit etwas Nachdruck ist es eine geile Gesprächsvernichtungswaffe. Denn was soll mir ein privilegierter Biodeutscher jetzt darauf antworten?

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      4. Avatar von Roand Ziegler
        Roand Ziegler

        Der privilegierte Biodeutsche würde etwa so antworten: Ja, eben gerade weil wir umgeben sind von so viel erbitterten Identitätskämpfen, sollten wir skeptisch sein, was die Bedeutung von Identität betrifft. Die Welt wäre besser, wenn es mehr Menschen Wurst wäre, woher sie kommen und zu wem sie gehören. Oder wenn sie das als Privatsache betrachten würden. Genealogie als Hobby.

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      5. Avatar von Test Bild

        Nochmal, jetzt doch übergriffig: Ich will dich dafür küssen, Roland.

        Aber so funktioniert die Welt nicht. Schon ich funktioniere so nicht. Und je mehr wir versuchen uns zu therapieren, desto grotesker werden die Ergebnisse.

        Der Kampf gegen Corona Leugner, gegen Reichsbürger, gegen Jammerossis und ja, selbst der Liberale Kampf gegen den Islam, der ganze Postkolonialismus … alles trägt die Merkmale von Ausgrenzung nach Rechtem Vorbild. Nix mit Inklusion und Abwägung und Blabla. Du liest ja die Starken Meinungen. Das ist das „Schlagt den Kopf ab“ der Herzkönigin, vollkommen unabhängig vom Inhalt. Du erinnerst dich an die Finanzkrise? Griechenland, Frankreich, Italien … bäh! Europa war im deutschen Diskurs implodiert. Nicht wegen Nationalismus, wir doch nicht. Sondern weil wir Ineffizienz nicht mögen (ich bekomme Kopfweh, wenn ich das nur tippe). Die Hassmaschine Internet spiegelt unsere Bedürfnisse, schon lange vor KI und die sind schäbig.

        Nation und Volk sind nicht nur ausschließend, sondern auch inklusiv. Warum sollten wir in einer Welt leben, in der wir alle Nachteile, aber keinen der Vorteile haben?

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      6. Avatar von Roland Ziegler
        Roland Ziegler

        Ja, ich bin unbedingt für eine solche Inklusion. Leute nicht als Feinde, sondern als Gegner betrachten, mit denen wir leben müssen und können. Die wir nicht einfach rausschmeißen sollten. Die Angst bekämpfe, die im Wort Feinnd mitschwingt.

        Gegner allerdings können sie schon sein. Soviel Distanz zu den Corona-Leugnern, Reichsbürgern, Islamisten, Woken, Linksgrünversifften, AfD-Nazis oder Rechten (wie wir unsere Liebligsgegner auch immer nennen mögen) muss sein.

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      7. Avatar von C. K.
        C. K.

        Hallo Stevan,

        noch eine kurze Erläuterung,“such mutch“ war nicht auf Dich bezogen, sondern so geht der Dialog bei Casablanca weiter, wenn ich mich nicht irre.

        Übrigens ein sehr deutscher Film.

        Mit Peter Lorre, der auch bei Michael Curtiz den Weirdo spielen muss, wie schon in M.

        Gute Nacht

        C

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    2. Avatar von KJN
      KJN

      ..und als guter Deutscher fährst du bitte gerne Auto wie die Türken.

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  5. Avatar von schulzeichen

    Hallo Stevan,SM verhallt in der eigenen Echokammer!Gruß C. K.Was heißt, deutsch zu sein?

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    1. Avatar von Test Bild

      Ich hoffe, sie bekommt ein Echo zurück. In der Runde wäre es spannend zu besprechen, was Deutschsein für die Autoren bedeutet.

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      1. Avatar von C. K.
        C. K.

        Deutschsein?

        Ich bin ich!

        Dann Mensch unter Menschen, Tier unter Tieren, Lebewesen unter Lebewesen.

        Für mich zählen Familie, Freunde, innere Haltung, Herzlichkeit und andere Tugenden. Ich gehe immer davon aus, dass das in allen Gesellschaften standardmormalverteilt ist. Herr Gauss‘ Glocke lässt grüssen!

        Die deutsche Sprache prägt mich sehr, die einzige, die ich mit etwas Freude beherrsche.

        Die Geschichte hat mich zu einem vorsichtigen vorausschauenden Menschen gemacht.

        Ich mag das Land und die Leute, aber nur weil sie mir vertraut sind. In andere Ländern habe ich und fühle ich mich teilweise genauso wohl oder sogar etwas mehr oder weniger. Mit den Menschen ist es dasselbe.

        Ich liebe Heine und wie er sich über den Barbarossa-Kult lustig macht. Höcke ist da der Antipode, aber es ist nicht so, dass ich nicht verstehen würde, wieso der so ist. Der ist vielleicht irgendwo falsch abgebogen. In der Physik gibt es ein ähnliches Problem. Die sog. „Drift“ und unkontrollierte „Faltungen“. Kann passieren, und da brauchen wir Filter, Mechanismen, um den Menschen und dem System zu helfen nicht insgesamt zu kippen.

        Deutsch ist für mich, fast, nur ein Wort!

        Grüsse in die Runde

        C. K.

        P.S.: Frau Q. ist in der Beziehung nicht viel besser als Bernd H. Sie steht nur auf einer anderen extremen Seite eines Mehrecks.

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      2. Avatar von Test Bild

        Mit Verlaub und tiefsten Respekt: Das, was du schreibst, ist so hardcore Deutsch, dass ich dich aus einer anonymen Fragerunde sofort filtern würde. Dieses Deutschsein, dass ich wegen seiner Liebe zu allen Geschöpfen Gottes aufrichtig bewundere, gibt es als anerkannten Breitensport nur hier, in Deutschland. Ich liebe es vom ganzen Herzen.

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      3. Avatar von Test Bild

        Meine Frau Mama hat in den 50ern in der Schule Heines Loreley gelernt, als typisches Gedicht der deutschen Romantik, Ironiefrei. Du kannst Heine schätzen, weil du weißt, welche bekloppten Ausmaße deutsche Romantik annehmen kann. Und das kannst du, weil du … Trommelwirbel…. Deutscher bist. Du kennst die Burgen des Mittelrheins, du weißt, dass es Rekonstruktionen aus dem 19. Jahrhundert sind. Heine ist dein Mann (m/w/d), weil ihr beide … Trommelwirbel …. Deutsche seid. Etwas weggeben kannst du erst, wenn du es hast. Ich hätte es gerne und ich werde es nicht mehr hergeben. Diese Selbstsicherheit, sich seiner so sicher zu sein, dass man darauf verzichten kann, darüber nachzudenken, das geht nur in dem Dorf, in dem man fühlt, dass man da sicher ist. Diesmal bin ich ironiefrei: Das ist richtig geil. Da will ich hin, zumindest wünsche ich mir das für meine Kinder und Enkel.

        PS: Nein, die Stevanovics singen nicht jeden Abend die deutsche Nationalhymne.  

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      4. Avatar von Test Bild

        PPS: Miiiiist …. ich steh auf Mittelrhein, Burgen und Barbarossa. Oh mein Gott … Kafkas Verwandlung … ich bin aufgewacht als…. argh … Deutscher. Ich suche mir jetzt eine rote Ampel, an der ich stehen kann.

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    2. Avatar von C. K.
      C. K.

      Du magst es Deutsch nennen, Stevan, ich glaube aber, dass es zu einem grossen Teil darauf zurückzuführen ist, dass ich als Kind im Zweifel zweimal in der Woche in der Kirche war und die Lesungen immer für bare Münze genommen habe. Und so Leute wie mich habe ich überall getroffen hier in Europa, und in der Literatur, in der ganzen Welt. Vielleicht ist es aber auch typisch deutsch, sich nicht Deutsch und allein in Deutschland zu fühlen.

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      1. Avatar von Test Bild

        Spürst du nicht den romantischen Vibe in der ganzen Sache?

        „Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.“ Novalis

        Du bist ein Individuum, aber Individualismus als intellektuelle Kategorie (im Gegensatz zum praktischem Arschloch) bedeutet, etwas gewöhnlichem wie dem „Ich“ eine geheimnisvolle Tiefe zu geben.

        Disclaimer: Wenn ich du sage, rede ich mit deinem Standpunkt, nicht mit dem realen C.K.

        Gegenprobe: Rufe deine Freunde an und frage sie, ob sie sich wirklich verstanden fühlen. Die Frage ist schon eine Falle, weil sie voraussetzt, dass sie komplexe, schwer zu durchschauende Wesen sind. Sind sie nicht. Du bist nicht du und ich bin ganz bestimmt nicht ich. Wir romantisieren unser Selbst. Vor allem als mündige Bürger. Bis zur kompletten Neurose. Ich habe selten einen glücklicheren Menschen gesehen, als die Oma gegen Rechts, die dem Iraker und mir bei Corona „Nazis Raus“ ins Ohr brüllen durfte. Weil sie Teil von etwas war.

        Fun Fact: AA rekonstruiert Menschen, indem es ihnen diese Romantik nimmt. Das ganze Programm ist eine Entzauberung des Ich.

        In alten Filmen wurde die Schlägerei unterbrochen, wenn die Nationalhymne lief. Womit könnten wir jetzt eine Schlägerei unterbrechen?

        Ja, Nation ist Romantik. Aber vielleicht gesünder, als das, was wir jetzt machen.

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      2. Avatar von Test Bild

        Typisch Deutsch ist es tatsächlich, das so weit durchzudeklinieren, bis man auf die Idee kommt, kein Deutscher zu sein. Ich glaube, dass ist die gleiche Ader, die sich das Mittelalter zusammenspann, weil drum herum die Moderne tobte. Kenn ich in der gedanklichen Konsequenz als Breitensport nur hier.

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      3. Avatar von C. K.
        C. K.

        Novalis ist so gar nichts für mich. All die Burgen am Rhein erst Recht nicht. Ich liebe die Lahn, schwedische Seen, Hansestädte von Brügge bis Danzig mit einem dominierenden Rathaus auf dem Marktplatz.

        Nationalismus ist nur was für Schwächlinge, die auf dicke Hose machen. Das meine ich mit Ich. Das reicht mir. Ohne mich bin ich nichts.

        Bin auch eher der Typ, den KJN beschrieben hat. Eher ein kleines bisschen Weirdo. Mathe und Logik machen mir Spaß und ich versuche die auch in der sozialen Welt zu finden, was mir immer schwerer fällt. Die Leute scheinen immer weniger zu wissen, dass es einen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung gibt.

        Es ist natürlich möglich, dass wir ein Land von 83 Millionen Weirdos sind, aber meine Empfindung war eher anders. Und ganz ehrlich, sind mir Aluhutträger meist sympathischer als die Typen wie Herr G.

        Zwischen den Zeilen höre ich da immer was von, „Ihr Deutschen habt es gut, Ihr seid nie entwurzelt worden“ raus. Ob das so gemeint ist, weiss ich nicht. Damit kann ich nichts anfangen. Klingt, abstrakt, nicht was die Person Stevanovic real betrifft, ein bisschen nach Selbstmitleid und Heraushebung durch erfahrene Ungleichbehandlung. Das nervt mich bei den Ossis, da hatte ich auch so Diskussionen, da wollte mir, der ich die DDR wenigstens ab 1989 real erlebt habe und 7 Jahre danach im Osten gelebt habe, eine 1990 geborene Sächsin erzählen, ich könne da nicht mitreden, weil ich das nicht erlebt hätte. Genauso diese Sache mit der kulturellen Aneignung. Ist mir fremd, sich darüber aufzuregen. All die Heimatverbände, Heim und Scholle.

        Mich haben die Jugoslawien Kriege damals echt in eine Krise gestürzt, weil da bei mir eine Welt zusammengebrochen ist, eine Welt der Vernunft. Und die Deutschen haben weiter ihre Autos gewaschen.

        Um auf Frau Q. zurückzukommen, auf Typen wie Joseph Martin Fischer, Winnie Kretschmann oder Cem Özdemir, Habeck, der in einem Theaterstück den Bluthund Noske verherrlicht hat, auf unsere beiden letzte Bundespraäsis, auf Max Weber und wie die ganzen schwer beladenen Verantwortungsträger heißen, zurückzukommen. Dieses, einer muss der Bluthund machen oder ohne Leid keine Freude, all das protestantische Abwägen, nur um mit einem guten Gewissen anderen die Sozialhilfe, das Hartz IV Taschengeld zu streichen, Kriege als kleineres Übel darzustellen, bereit zu sein, seine Kinder zu opfern oder selbst in den Krieg zu ziehen, um ander zur Not zu töten ist für mich dumm, unterkomplex und deutsch. Und deutsch ist dabei eine Spielart von nationalistisch. Das bringt uns ins verderben. Wenn Du nun findest, das ist jetzt vielleicht auch deutsch. OK. Wenn das typisch deutsch sein soll, stelle ich morgen 10 Kerzen auf und bete, dass der Herr mehr Deutsche vom Himmel regnen lassen möge.

        Ich hab hier nicht alles gelesen, aber kam zur Sprache, dass Frau Q. nur bestimmte Nationen mag? Das ist die alte nationalistische Denkweise von den Erzfeinden in einer selbstgestrickten grünen Bastversion mit Batikapplikationen, fair gehandelt und garantiert ohne Pestiziden angebaut, nur mit giftigen Kupfer bespritzt, weil das der gute Herr Steiner erlaubt hat.

        So nun hab ich genug Gift verspritzt.

        Ich würde Euch alle gerne mal persönlich kennenlernen!

        Gruß C. K.

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      4. Avatar von Test Bild

        Lieber C,K.,

        ja klar Selbstmitleid. Nicht nur volle Kanne, sondern mit dem dicken Schlauch von Gardena. Wer kein Selbstmitleid hat, steht auch nicht für sich ein und das kann sich nur der leisten, der es nicht muss. Oder sich aufgegeben hat. Das habe ich mit 53 Jahren von meiner queeren 22 jährigen Freundin gelernt. Deswegen bin ich zurück zu Starke Meinungen. Irre Geschichte. Erzähle ich dir beim Treffen, das wir im Herbst in Angriff nehmen. Sollten mir die 100 Kerzen, die ich jeden morgen aus dem gleichen Grund wie du die 10 hoffentlich zündest, nicht die Bude abbrennen.

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  6. Avatar von Roland Ziegler
    Roland Ziegler

    Die Aufforderung, ein Lehrbuch lesen zu müssen, steht aber gar nicht da, lieber Bodo Walther. Sondern ein Konditionalsatz: „Wenn deutsch sein heißt, aus den Verbrechen der eigenen und der der eingewanderten Geschichte zu lernen und Angriffskriege und schwere Menschenrechtsverletzungen zu verhindern, gern.“ Unter dieser Bedingung kann die Betonung des Deutschseins und der Patriotismus aus Sicht der Autorin „gern“ Einzug halten in Deutschland. Dann fände sie das gut, heißt das. Während die AfD das immer und unbedingt gut findet: deutsch zu sein. Von Lehrbüchern, Anweisungen befolgen oder Prüfungen ablegen steht da überhaupt nichts. Vielleicht ist das aus deiner aktuellen Studiumssituation unbewusst in die Überlegungen geschwappt?

    Was deutsch sein heißt oder heißen sollte, weiß ich nicht. Normalerweise meinen die Leute damit irgendetwas Blödes: humorlos sein, pedantisch sein, gereizt sein, zum Beispiel. Regeln befolgen vielleicht. Ich befolge gerne Regeln, insbesondere sinnvolle Regeln, und bin auch oft in Kommunikationen pedantisch. Zum Beispiel oben mein erster Absatz. Hier wäre ich dann also deutsch. Aber nicht immer, was dann wieder undeutsch sein könnte. Eigentlich finde ich es uninteressant zu überlegen, was deutsch oder undeutsch ist. Andere sollen das gerne praktizieren. Die AfD findet das wichtig: Identität….Was könnte und sollte das sein? Im Prinzip ist mir das egal. Auch dadurch unterscheide ich mich von der AfD.

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    1. Avatar von Test Bild

      Meine Tochter wurde mit 12 in der Schule gemobbt, von Albanern, wegen ihrem Namen. Das Mädchen fragte sich, was das soll, wer sie sei usw. Ich habe sie im zieglerischen Geiste erzogen, nämlich dass es egal sei, wer was ist. Und da merkte sie, dass ich sie belogen hatte. Ich wünschte mir, dass es egal ist, aber es ist nicht egal. Seitdem wir in unser Dorf gezogen sind, ist es noch schlimmer. Ich habe hier tausendundeine Identität, offen ausgelebt, neben mir. Hier zu sagen, es sei egal, was man ist und wo man herkommt, ist schlicht falsch. Als Kurde ins türkische Kaffee? Viel Spaß. Meine Tochter war lange mit einem afghanischen Flüchtling zusammen, der Junge ist auf jedem Foto aus der Zeit dabei. Ich hatte damals etwas Einblick in die community. Die (die ich kannte) lieben Deutschland und hassen die Deutschen, abgekürzt. Nix Multikulti. Und deswegen ging sie dann getrennte Wege. Für den, für den sich die Frage der Identität, warum auch immer, nicht stellt, ist es auch keine. Und das ist gut so. Ist echt anstrengend, über etwas zu nachzudenken, was wie Schrödingers Katze tot ist, wenn man nachschaut.

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      1. Avatar von Roland Ziegler
        Roland Ziegler

        Ja klar: viele anderen – nicht nur AfDler – machen einen Riesenbohei um diese Fragen. „Wer bist du? Sag mir woher du kommst? Warum glaubst du, de-rund-der zu sein?“ Für viele Deutsche und Einwanderer scheint das relevant zu sein. Ich spreche aber nicht für alle; für mich ist das irrelevant. Damit will ich nicht sagen, dass ich an den jeweilige Geschichten, die jemand mitbringt, nicht interessiert wäre. Aber mir stelle sich diese Fragen ganz einfach nicht. Wahrscheinlich würde ich sogar eine habwegs sinnvolle Antwort finden können, wenn ich darüber nachdenken müsste. Abe rich habe icht da sGefühl ,dass mich das weiterbringen würde.

        Meine Schwiegermutter, die sonst viele richtige Dinge sagen kann, spricht immer gern von z.B. „den Bayern“ oder „den Berbern“ bzw. den „Arabern“ (weil sie mal in Marokko war). Wie die jeweils sind. Das Pauschalurteil ist für sie ein sprudelnder Quell der Erkenntis. Mir macht das auch Spaß, bestimmten Gruppen bestimmte Merkmale zu geben (ich gebe lieber keine Beispiele, sonst wird Bodo sauer). Aber wenn ich ernsthaft darüber nachdenke, ist davon wenig haltbar.

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      2. Avatar von Roland Ziegler
        Roland Ziegler

        Die Antwort auf die Frage nach der jeweiligen Identität kann ja nur aus einem Bündel an Attributen bestehen. Die sich uter dem Begriff „Deutscher!“ subsumieren und sich auf Nachfrage („Was bedeutet es, deutsch zu sein?“) auffächern lassen. Irgendwo in diesem Bündel versteckt sich dann das Individuum, die Person mit ihre ganz ureigenen Erlebnissen. Erlebnisse, durch die sie in ganz andere Gruppe einsortiert werden könnte. (Z.B. nicht „die Deutschen“, sondern die „vom Vater Traumatisierten“ oder die „Musikliebhaber“ oder die „Fußballfas“). Die Person wird unsichtbar, zu einem Exemplar einer bestimmten Sorte Mensch, mehr oder weniger typisch für diese Sorte. Diese Eigenschaft gefällt mir nicht am Begriff der Identität: die Sortierung.

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    2. Avatar von KJN
      KJN

      „Die AfD findet das wichtig: Identität….Was könnte und sollte das sein? Im Prinzip ist mir das egal. Auch dadurch unterscheide ich mich von der AfD.“

      Jetzt bin ich mal „in Kommunikationen pedantisch“: Du weißt nicht, was Identität sein könnte, es ist dir aber auch egal und unterscheidet dich dadurch von der AfD? Warum möchtest du dich von etwas unbedingt von etwas unterscheiden, was dir egal ist und von dem du nicht weißt, was es ist? Besteht da deinerseits doch nicht eine Vermutung, was mit Identität gemeint sein könnte? Und ist es „die AfD“, die genau das meint, oder eher ihre Gegner?

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      1. Avatar von Roland Ziegler
        Roland Ziegler

        Das geht aber noch viel pedantischer, lieber KJN. „Warum möchtest du dich von etwas unbedingt von etwas unterscheiden…“ – Das steht da gar nicht. Da steht, dass ich mich auch dadurch von der AfD unterscheide. Eine Tatsachen-Feststellung, kein Wunsch, schon gar kein unbedingter. „und von dem du nicht weißt, was es ist“ – Auch dies steht da nicht, zumindest ist dies nicht gemeint. Die Frage „Was könnte und sollte das sein?“ ist nicht meine Frage, sondern die der AfD. Mir ist die Antwort darauf wie gesagt egal.

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      2. Avatar von KJN
        KJN

        Der Punkt geht zweifellos an dich Roland. Ich frage daher direkt: Wie definieren deiner Meinung nach rechte Identitäre und linke Identitäre Identität? Machen die das verschieden oder gleich? Und: ist das schlimm und wenn ja, was daran?

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      3. Avatar von Roland Ziegler
        Roland Ziegler

        OK, dieser Frage möchte ich nicht ausweichen. Aber die Frage ist schwierig für mich, aus folgendem Grund. Ich habe oben zu Stevanovic eine Versuch gestartet zu erkären, warum mir der Identitätsbegriff grundsätzlich nicht zusagt. Und jetzt gibt es sogar drei Identitäts-Fragen: 1. Was ist MEINE Identität? (Da könnte ich einiges zu sagen.) 2. Was bedeutet es, Deutscher zu sein? (Da wird es, wie wir sehen, schon kompliziert, es sei denn – und dazu neige ich – man vereinfacht das auf den Besitz der deutschen Staatsbrügerschaft.) Aber nun kommt Frage 3. Wie definieren rechte und linke Identitäre?

        Ich versuchs mal. Ich möchte vorausschicken, dass von rechten und linken Identitären wenig Ahung habe – ich lese nicht viel dazu. Wirklich – ich hab ja schon angemerkt, dass mich das nicht interessiert (diese Frage sieht für mich so ein bisschen nach Selbstbespiegelung und Nabelschau aus).

        Aber wir sitzen hier ja in der Kneipe, da kommt es nicht so drauf an. Also: Rechte Identitäre definieren ihre Identität meiner bescheidenen Meinung nach über Grenzziehung, d.h. Ausgrenzung: Dieses-und dieses gehört zu uns. Und dieses-und-dieses nicht. Also z.B. deutsche Frauen, deutsches Bier, Grillen von Würsten und deutsche Pünktlichkeit gehört zu uns bzw. zur deutschen Identität, aber der Islam nicht und Kopftücher nur, insofern sie von alten Frauen, die im Gemüsegarten wühlen, getragen werden. Linke Identitäre definieren sich als international (abgesehen von S. Wagenknecht, aber da wird es schon schwierig) und vielfältig. Grenzöffnung statt Abgrenzung. D.h. alles, was rechte Identitäre ausgrenzen, grenzen Linke wieder ein. Außerdem definieren sie sich als weitgehend fremdbestimmt, aber im Begriff, diese Fremdbestimmung in Teilen zu überwinden. Auch die Rolle des Geldes trennt linke von rechte Identitären: die Linken möchten, dass das Geld möglichst von oben nach unten umverteilt wird und idealerweise dadurch die Uterschiede nivelliert werde, die rechte Identitären haben dagegen kein Problem mit ungleich verteilten Reichtum. Jedem das seine.

        Ich mache jetzt mal Schluss, ist nur ins Unreine geschrieben, um die Antwort nicht schuldig zu bleiben.

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    3. Avatar von kryptonitetoo0a8519ce23
      kryptonitetoo0a8519ce23

      Lieber Roland Ziegler,

      o.k., Frau Quistorp schrieb:

      „Wenn … dann.“ Konditionalsatz.

      Da bin ich zu heftig auf das „Lernen aus der Geschichte“ gesprungen. Weil Geschichte gar nichts lehrt.

      Habe nicht so sehr das Problem damit, dass „deutsch“ eine Schicksals- und Abstammungsgemeinschaft ist, der „man“ beitreten kann und aus der man dann natürlich auch austreten kann. Deutschland hat nicht nur Einwanderer, sondern auch Auswanderer.

      Und je nachdem, wann eine Familie beigetreten ist, hat sie diese oder jene Familienvergangenheit und kann diese oder jene gar nicht haben.

      Fsd wollte ich ausdrücken.

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      1. Avatar von Roland Ziegler
        Roland Ziegler

        Ja, da stimme ich im Prinzip zu. Geschichte lehrt nichts, sie erscheint wie ein Rätsel, für das es viele Lösungen gibt. Jeder lernt etwas anderes daraus. Insgesamt besteht sie doch aus auffallend vielen Katastrophen. James Joyce sagte einmal (oder ließ im Ullysses sagen): „Geschichte ist ein Albtraum, aus dem ich zu erwachen versuche“.

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  7. Avatar von Roland Ziegler
    Roland Ziegler

    Ah die Postkolonialismus-Debatte meinst du. Ja, Rechte und Linke haben eine große gemeinsame Schnittmenge: „Außerdem definieren sie sich als weitgehend fremdbestimmt, aber im Begriff, diese Fremdbestimmung in Teilen zu überwinden.“ Emanzipation ist das Schlagwort, das alle abholt. Unterschiedlich ist nur, wer die Vorherrschaft ausübt und von wem man sich befreien muss: von den Nichtdeutschen für die Rechten, von den Weißen für die Postkolonialisten. Das Ziel ist ebenfalls unterschiedlich. Die Rechten möchten die Segregation vertiefen (durch „Remigration“), die Postkolonialisten wollen – auch wenn sie dabei selber rassistisch handeln – den Rassismus überwinden. Was natürlich kein gutes Rezept ist: Rassmismus durch Rassismus überwinden.

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