Es scheint in unserer Republik für Politiker mindestens seit Gustav Heinemann (Zitat: „Ach was, ich liebe kein Land, ich liebe meine Frau“) zum guten Ton zu gehören, sich von Patriotismus zu distanzieren, zumindest wenn er Deutschland betrifft, also das eigene Land.
Ob die Gründe dafür ehrenwert sind oder opportunistisch, vermag ich nicht zu beurteilen, denn auch dem Politiker muss ich wie jedem anderen exponierteren Berufstätigen zugestehen, dass er seinen Ruf, seine Außenwirkung (sein ‚Image‘) entsprechend seiner beruflichen Ziele stimmig gestaltet und darstellt. Und mehr möchte ich doch auch gar nicht von ihm wissen, denn ich bin kein Paparazzi und mit meinem eigenen Leben normalerweise ausgelastet.
Je mehr die eigene Tätigkeit vom praktischen ins immaterielle, sprachliche, geistige, theoretische, akademische, also kommunikative und zwischenmenschliche in der Lehre, der Beratung, des Verkaufs usw. rückt, desto wichtiger wird die persönliche Glaubwürdigkeit. Also für die eigenen Aussagen geradezustehen, bürgen zu können. Diese Banalitäten zu formulieren scheint nötig zu sein, solange die Belange des Kunden, des Klienten oder eben auch – und hier sind wir schon beim Punkt der Überschrift – des Wählers aus dem Blick geraten. Letzteres wird neuerdings sogar bisweilen als „Populismus“ geschmäht. Zur Erinnerung: Abgeordnete sind in erster Linie ihrem Gewissen bei der Ausübung der dienenden (!) Tätigkeit für ihr Land verantwortlich und nicht politischen Zusagen in ihrem ‚Betrieb‘ (ich denke gerade an die grimmige Enttäuschung der nicht gewählten Kandidatin für das Verfassungsgericht). Und Amtsträger sind dem Amtseid verpflichtet, den sie geleistet haben, auch eine Bundeskanzlerin, die die Fahne ihres Landes nicht mag.
Loyalität drückt sich in Nähe und Bekenntnis aus und das ist schon in einem seriösen Geschäftsleben (Vertrauen, Kundenbindung) eine psychologische Grundvoraussetzung für erfolgreiches Handeln, ein Vertrauen, das erarbeitet sein will.
Wer als Politiker das Bekenntnis zu seiner Kundschaft wie z.B. Dr. Robert Habeck nur Einzelnen am Küchentisch durch in den Medien präsentiertes Zuhören unter Beweis stellen will, hat nicht nur ein Effizienzproblem, sondern auch ein Glaubwürdigkeitsproblem: Er lässt vermuten, dass seine Probleme mit der Zugehörigkeit zu unserem – nunja – Verwaltungsbezirk mit seinem Amtseid kollidieren könnten. Ein erwachsener, hinreichend gereifter Mensch sieht solche Konflikte und räumt sie dadurch aus dem Weg, dass er sie mindestens reflektiert (was hindert mich an dem Bekenntnis zu meinem Land?) und nicht nur seiner Klientel , die wie er selber tickt, die individualistische Seele streichelt. Selbst absolutistischen Herrschern hätte man es kaum durchgehen lassen, ihrem Land gleichgültig gegenüber zu stehen (z.B. mit ‚ich will nicht mit dem hässlichen Image Deutschlands identifiziert werden‘). Frühe Könige des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation mussten ihre Berufung erstmal dadurch beweisen, dass sie an der Spitze ihres Heeres bereit waren, als erste zu sterben .
Und in unserer Wirtschaft entsteht Vertrauen in gemeinsame Ziele idealerweise durch Übernahme von finanziellem Risiko und nicht durch dessen Delegation an die Anleger-Schäfchen. Idealerweise. (Darüber vielleicht mal an anderer Stelle mehr.)
Patriotismus ist das positive Bekenntnis zu einem Gemeinwesen, dem man sich auch mit persönlichen Hoffnungen und Erwartungen verbunden fühlt und wer das nicht empfindet, dem werde ich das gerne als persönliche Freiheit zugestehen, werde ihm/ihr aber nicht meine Stimme für ein öffentliches Amt geben. Ich wähle auch niemanden in den Vorstand eines Fußballvereins, der Fußball nicht mag oder Anhänger des Konkurrenzvereins ist. Wohlgemerkt in den Vorstand. Das Beispiel zeigt auch: Es gibt keinen Grund dafür, dass er nicht spielen darf, wenn er es kann und will, denn das kann er sofort und für jeden nachprüfbar unter Beweis stellen. „Grau is‘ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is‘ auf’m Platz.“, wie es der große Fußball-Philosoph Alfred Preißler vom BVB so treffend formulierte. Patriotismus ist hier zwar nicht unbedingt hinderlich, aber auch nicht zwingend erforderlich. Der Gastarbeiterstatus ist keineswegs ehrenrührig, nur anstrengender.
Wer jedoch nur seine Worte hat, um zu überzeugen, sollte sie mit Bedacht wählen und nicht proklamieren, dass er mit dem Land, in dem er gewählt werden will, nichts anfangen kann.
Deshalb.
5.9.2026, Klaus J. Nick
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