‚Alles zu seiner Zeit‘ ist das Motto in jeder guten Kinderstube, denn nur so kann gelernt werden, die eigenen Kräfte sinnvoll einzusetzen und dann „kriegt der Frust uns nicht mehr klein“, wie der jeder autoritären Gesinnung unverdächtige Herrmann van Veen einst in der deutschen Version des bretonischen Liedes Son ar Chistr (Lied vom Cidre) sang. 7 Tage Trinken, dann 7 Tage arbeiten usw.
Wenn das, was man errichtet, erfindet, malt, fotografiert, komponiert und schreibt keiner inneren Logik, keiner Idee und keiner Regel folgt, ergibt das Produkt keinen Sinn und weder Drogenkonsum, noch die darauf folgende Eingebung hat jemals Kunst geschaffen.
Das ist der tiefere Sinn des Sprichwortes ‚Schuster bleib bei deinen Leisten’: Mathematik funktioniert nur nach den Regeln der Mathematik, Physik, nach den Regeln der Physik usw. und Dame spielt niemand nach den Regeln von Mensch-ärgere-dich-nicht. Das scheinen jedoch nicht mehr alle so zu sehen.
In der Hoffnung, mit Philosophie konfrontiert zu werden, hört man bei uns zuhause jeden Montag um 19 h WDR5. Bewusst über UKW-Radio und nicht hier..
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-das-philosophische-radio/index.html
(Sendung vom 31.8.2026)
..denn nicht nur Kinder brauchen Rituale, auch in die Jahre gekommene Paare (der schlechte Reim war nicht gewollt) und das Radio krächtzt auch nicht so, wie diese digitalen Endgeräte. Leider wird diese kleine gepflegt-häusliche bildungsbürgerliche Inszenierung, man muss leider sagen ‚in der Regel‘ durch eine nicht nachgefragte Therapiestunde konterkariert, meist mit einem Gast, der ein Buch mit einem von ihm/ihr identifizierten Problembereich im zwischenmenschlichen Bereich bewirbt. Diesmal ging es um Kommunikation und viele praktische Hinweise dazu, wie dieses überaus gefährliche Unterfangen ohne Schädelbasisbruch oder gar seelische Verletzungen (OT: „Besser ein Messer statt ein Wort, denn ein Messer kann stumpf sein“) zu bewältigen sei. Oder wie die Buchautorin Daniela Dröscher selber messerscharf (sorry) schlussfolgert: „Kommunikation ist das was ankommt“. Bemerkenswert auch der Mut der Autorin, wenn Wut über unbotmäßige Meinungen in ihr aufsteigt, in einer Diskussion oder einem Vortrag auch mal 30 Sekunden nichts zu sagen, oder waren es doch 10, aber es fühlte sich an wie 30 Sekunden und das ist ja eine lange Zeit. In dieser Situation. Nun mag man der Autorin zugutehalten, daß sie nach eigener Bekundung durch Missverständnisse und Streitereien im Elternhaus traumatisiert ist und so auf ihre Mission quasi mit der Nase gestoßen wurde. Das ist alles legitim, aber es ist eben keine Philosophie und es verbleibt der Eindruck, dass der geschätzte und stets charmant formulierende Jürgen Wiebicke wohl nicht ganz frei bei der Auswahl seine Gesprächspartnerinnen ist. So kommt jedenfalls seine Kommunikation zwischen einigen Zeilen bei mir an und das ist ja das Wesentliche, was wir ja als Essenz der Sendestunde gelernt haben. Und daß die Banalitäten, die sogenannte Personal-Coaches in den 1990ern den schüchternen Technik-Nerds in den Unternehmen in Form von Trainings und Seminaren verkauft haben, jetzt im Kampf gegen ‚Hass & Hetze‘ recycelt werden.
Damit mich keiner in dieser Runde missversteht: Vom persönlichen, anekdotischen in allgemeine zu schlussfolgern und das zur Diskussion zu stellen, ist völlig in Ordnung und wünschenwert. Damit wird die eigene Wahrnehmung und Argumentation geprüft und alle haben etwas davon. Nur die Dreistheit, mit der in dieser Sendung Banalitäten als Philosophie (irgendwas mit Nachdenken?) verkauft werden, das hat mich schon etwas fassungslos zurückgelassen. Als Satire auf die neueste der neuen deutschen Innerlichkeiten ist die Stunde jedoch gar nicht mal so schlecht.
1.9.2026 Klaus J. Nick
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