Warum ich keine Lust habe, beim Löschen zu helfen

Sollten hier Ausschreitungen wie in Frankreich stattfinden, werde ich natürlich löschen helfen. Und wie…wer mich kennt, weiß das. Und ich werde einen Scheiß tun, Ausschreitungen zu rechtfertigen. Und die Motive der einzelnen Gruppen sind mir nicht bekannt und interessieren mich auch nur am Rand. Ich bin wütend und vor allem, enttäuscht.

Im Frühjahr 2022 griffen Truppen der Russischen Föderation wieder aktiv das Territorium des Ukrainischen Staates an. Das ist vermutlich der einzige Satz, mit dem ich im Mainstream (in Ermangelung eines besseren Begriffes) bin. Ich möchte hier die Sache an sich nicht ausrollen. Seit diesem Angriff bin ich beleidigt, angespuckt, verleumdet und bewusst missverstanden worden. Nun, das ist mir kurz zuvor schon bei Corona und der Frage der Zwangsimpfung passiert, als dreifach geimpften. Trotzdem war ich schockiert. Die Zeitenwende war nichts weniger als ein Putsch der Institutionen gegen den Pluralismus. Wenn an einem Kessel alle Ventile zu gemacht werden, platzt er irgendwann. E voila. Zuvor war es Hitler nach dem Sinn der real existierenden Migration zu fragen, jetzt ist es Hitler, die Flüchtlinge nicht wegen dem zu verurteilen, was sie sind. Fuck off. Ich gebe mir nicht mal mehr Mühe, noch durchzublicken.

Und nun ist Erntezeit und wie immer, wenn dumme Menschen Hass sähen, brennt irgendwann, irgendetwas aus irgendeinem Grund. Noch sehr verhalten in Deutschland, heute in Frankreich, die Ereignisse in kleinen Nationen werden gerne übersehen. Israelische Nationalisten geben jetzt den Arabern die Schuld, Araber der jüdischen Lobby (was, nebenbei, richtig Lust auf multikulturelles Zusammenleben macht – ich muss mal den albanischen Nachbarn fragen, ob wir wirklich nur zusehen wollen), Rechte den Linken, Linke dem Kapitalismus … aber das ist es nicht oder vielleicht ist es das alles zusammen irgendwie. Wollten nicht letzten Monat noch Publizisten in den bewaffneten Untergrund, weil nicht weniger als Hitler wieder kommen sollte? Ist nicht irgendwie dauernd Genozid (natürlich immer nur und ausschließlich von politisch/ethnisch anderen Geschmacksrichtung verübt) und werden sind wir nicht ständig aufgefordert, endlich etwas zu unternehmen? In dieser Seifenoper, die unsere Republik geworden ist, ist ständig viertel vor Weltuntergang und als Wertegesellschaft muss gegen Feinde gekämpft werden. Auch wenn es keine gibt, auch wenn sie erst konstruiert und herbeigeschrieben werden müssen. Sonst glaubt ja einem der Nachbar nicht, dass man Werte hätte. Wem sollen wir dann einen Preis verleihen? Das Recht des tadschikischen Mannes auf Menstruation wird auch in deutschen Ortsvereinen verteidigt. Und er hat Feinde, auch und gerade hier. Fuck you, Ortsverein.

Das hat die liberale Demokratie schon mal geschafft. Der Grund, warum Frankreich 1940 in sechs Wochen fiel, war auch, dass viele Franzosen für diese Republik ihr Leben nicht geben wollten. Es ist nicht schlimm, dass jemand die Republik anzünden will, das will immer jemand. Schlimm ist, wenn die anderen beim Brand zuschauen. Und darauf habe ich große Lust. Wie Film-Nero Rom beim Brennen zusehen und auf der Fiedel zu spielen. Vielleicht rezitiere ich dabei Niemöllers „Als die Nazis die Kommunisten holten“. Ja, Arschloch, der Tag, an dem niemand kommt, ist heute.

Eher werde ich Leftfields „Open Up“ spielen und mich betrinken (sollte mein Dealer gerade in der Innenstadt was anzünden). Besonders schön ist der Schluss des Liedes, wenn Johny Rotten singt:

Burn Hollywood burn, taking down Tinseltown

Burn Hollywood burn, burn down into the ground

Burn Hollywood burn, burn Hollywood burn

Take down Tinseltown, burn down to the ground

2 Antworten zu „Warum ich keine Lust habe, beim Löschen zu helfen“

  1. Avatar von KJN
    KJN

    Natürlich helfen wir alle beim Löschen. Vielleicht schon nur deswegen, weil wir keine kleinen Neros sind, die sich einen feuersicheren Marmorpalast leisten können. Genau so wenig, wie die linke Frau, die zwar mitmarschiert ist, aber die Plünderer abhalten wollte und dann rüde weggeschoben wurde. Und genau das wird auch in Berlin so ablaufen. Dumme Brandstifter verbrennen bisweilen selber in dem von ihnen gelegten Feuer. Klügere Brandstifter inszenieren sich dann als Feuerwehrhauptmann. Wie der ‚Digger‘ in dem wunderbaren, leider auf mich Normalo-Filmgucker aufgrund des Brecht’schen V-Effekts etwas zu bemüht wirkenden gleichnamigen Film, der gerade verrissen wird, weil ihn anscheinend keiner auf seiner tieferen, wahrhaftigeren Ebene verstehen will. Nur noch geschickter: Digger war so dumm konkret zu liefern: Öl und Benzin. Jean Luc Mélenchon liefert noch nicht mal das Feuerzeug, er zeigt den Verwahrlosten nur überdeutlich, wo es liegt: In einem Stall voller trockenem Stroh. Vor allem in den Hirnen der ansonsten hohlen Köpfe. Die üblichen, von den Medien geschätzten politischen Gegenspieler sind die typischen stets etwas zu viel sitzenden europäischen Schlappschwänze mit den hohen IQs und den Abschlüssen von den Eliteunis, die „die Mitte“, deren Lage sie natürlich selber definieren wollen, vemissen. Wie auch ihre („unsere“) Demokratie. Eine Wette auf die lohnt sich nicht mehr. Eine auf die anderen schon. Auch in Deutschland. Wer wird als Brandstifter und wer als Feuerwehr in die Geschichte eingehen? Und warum wird in Europa ‚Multikulti‘ zum Sprengsatz statt zum Schmelztiegel? Ich habe da eine Ahnung und die hat mit Don Camillo und Peppone zu tun. Und mit marxistischen Bürgerkindern, die bereits länger dabei sind, die Voraussetzungen für ihren Umsturz zu schaffen und meinen, Migranten würden ihnen bis zu ihrem Sieg dabei folgen.

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  2. Avatar von Test Bild

    Der Film war irgendwie großartig und erzählerisch misslungen zugleich. Ich war sehr unterhalten und für den Kopf gab es was zu knabbern. Ich fand den gut.

    In Europa gab es immer multikulturelle Gesellschaften. Nur waren die nie Schmelztiegel. Die Bedingungen und Wirkungen waren grundsätzlich anders, als wir es heute erwarten. Historiker wissen das. Aber hey …. was soll schon schief gehen?

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